F r a n z S c h l o s s e r
LATEINISCHE MORITAT
Pars prima
En equa vehentem Romulum,
audacem regis filium!
Exclamat nomen Cunigundae
amiculae, puellae mundae.
In manu is habet flosculum
e rosa carptum rubidum.
Quo dono cor vult delectare
amiculae et hilarare.
Vir equitat celerrime –
sed praeceps hiat subdole!
Non videt vir hiatum – vae!
Oburiuntur tenebrae.
Vicinus morti vir delirat
et nomen Cunigundae spirat.
Tum miserandus occidit.
Cruore terra rubefit.
Exspirat viro dedita
et equa fidelissima. Pars secunda
Exspectat diu iam Romellum,
amica, regis filium bellum.
Percutitur dolore, cum
observat eius exitum.
Os parvae spirat verba ea:
Nunc actum est de te, lux mea!
Te adventurum mox sperabam.
Nunc lugeo, quem tam amabam.
Nunc vitae taedet me. Maerore
consumor, pereo dolore!
Carere possum minime
nec equa tua neque te!!
Nunc videte hanc vibrare
sicam, in se intentare
verbis illis: Mitiores,
sica, meos fac dolores!
Appropinquat, heu, misellae
hora mortis nunc puellae,
quae transfigit ferro se
verba spirans: Sequar te!
Mors fatetur, quantula
hominum sint corpora.
Die gar traurige Geschichte vom Ritter Kunibert
D e r B a l l a d e e r s t e r T e i l
Oh, seht nur, da reitet hoch zu Pferd
der edle Ritter Kunibert,
den Namen seiner Kunigunde,
nach der er sich so sehnt, im Munde.
Er trägt in seiner rechten Hand
ein Röslein rot als Liebesband.
Dies, denkt er, kann ich ohn‘ Bedenken
meiner Herzallerliebsten schenken.
Der Kuni eilt in Liebessucht –
und vor ihm gähnt die Todesschlucht!
Oh, Gott! Der Arme sieht sie nicht!
Und dunkel wird der Sonne Licht!!
Noch lebt er eine Angstsekunde
und haucht den Namen „Kunigunde!“ –
Und schon färbt sich die Erde rot,
und Kunibert ist mausetot!
Die gute Stute, treu wie Kitt,
verdreht die Augen und stirbt mit.
D e r B a l l a d e z w e i t e r T e i l
Es wartet schon ’ne bange Stunde
die herzenstreue Kunigunde.
Mein Gott, was hat es ihr gegraut,
als sie von fern das Unheil schaut!
Mein Liebster, hauchen ihre Lippen,
verschlungen haben dich die Klippen!
Ich hoffte innigst, du kämst balde! –
Doch ach, nun liegst du in der Spalte!!
Nein, länger will auch ich nicht leben!
Oh, sähst du meinen Busen beben!
Ohn‘ dich, mein Schatz, und deine Mähr‘
ist meine Welt so öd und lääär!!
Ihre Absicht sieht man reifen.
Dolch, so ruft sie, laß dich greifen!
Dir allein gilt mein Gebete.
Lindre du mir meine Nöte!
Und sie bohrt sich mit der Spitze
eine tiefe, breite Ritze
in die Brust voll Todesgier
und haucht: Schatz, ich folge dir!
Bald verliert sie Stand und Lot.
Und nun sind sie beide tot!!








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