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Impressionen vom Latinistentag 2011
am 23. September 2011
Angelaschule, Osnabrück

Der diesjährige Latinistentag des NAV fand an der Angelaschule in Osnabrück statt - einem Gymnasium in kirchlicher Trägerschaft des Bistums Osnabrück mit ca. 1080 Schülerinnen und Schülern.

Ulrike Wilken-Pott begrüßte als Organisatorin vor Ort die Gäste der Angelaschule.

Für die musikalische Begleitung des Latinistentages sorgte mit viel Schwung und frischen Arrangements das Schul-Blasorchester der Angelaschule, welches ein modernes Programm zwischen Pop-Klassikern und Filmmusik zum besten gab.

Der Vorsitzende des NAV, Burghard Gieseler eröffnete den Latinistentag.

Burghard Gieseler äußerte sich zunächst hoch erfreut über den regen Zuspruch am Osnabrücker Latinistentag, der diesmal als Schwerpunktthema die curriculare Verknüpfung der Fächer Latein und Griechisch zum Gegenstand nahm.

Die Auswahl der Angelaschule sei, so Gieseler, gleichzeitig auch als Ehrung des Bildungsbeitrags kirchlicher Gymnasien in der Schullandschaft zu verstehen; die altsprachlichen Fächer verbinde eine tiefe Seelenverwandtschaft mit dem christlichen Menschenbild, das dort vermittelt werde, nehmen sie doch Menschenwürde und die Entfaltung einer freien und verantwortungsbewussten Persönlichkeit als Selbstverpflichtung des Bildungsauftrags. Dieses Leitbild wiederum kontrastierte der NAV-Vorsitzende mit einem Verweis auf die aktuellen Entwicklungen in der niedersächsischen Bildungspolitik.

Den Schülerinnen und Schülern das Erlernen von Sprachen erleichtern und ihnen auf diese Weise Freiräume zurückgeben, die ihnen durch die Schulzeitverkürzung genommen wurden - dies gab Gieseler den Gästen des Latinistentages 2011 als Anregung mit auf den Weg.

(Den Wortlaut der Eröffnungsrede finden Sie >> hier)

Der Schulleiter der Angelaschule, OStD Karl Große Kracht, selbst den Alten Sprachen verbunden, aber dann nach eigener Auskunft zur Anglistik "konvertiert", hob in seinem Grußwort die besondere Bedeutung der Schulen in kirchlicher Trägerschaft im Osnabrücker Raum hervor und gab einen kurzen geschichtlichen Einblick dazu. Er wies darüber hinaus auf eine Besonderheit der Angelaschule hin, nämlich den außergewöhnlichen Landschaftspark der Schule, der gleichzeitig auch für die ökologische Ausrichtung des Schullebens stehe.

In diesem Jahr begrüßte auch wieder als Vertreterin des Niedersächsischen Kultusministeriums Birgit Bergmann die Teilnehmer des Latinistentages. Den Schwerpunkt des Osnabrücker Latinistentages -Mehrsprachigkeit- nahm sie zum Anlaß, die Fachvertreter zu ermuntern, nicht nur die Unterschiede in den jeweiligen Schulsprachen zu erkennen und zu reflektieren, sondern auch auf die Sprachenfächer zuzugehen.

Obgleich Bergmann einräumte, daß die Vorverlegung der Sprachenfolge in Niedersachsen derzeit nicht finanzierbar sei, lobte sie andererseits die bildungspolitischen Erfolge der Alten Sprachen auf der anderen Seite: Hier sei vor allem das Latein-Portfolio 3 zu nennen, das sich auf einem guten Weg befinde und auf dem kommenden DAV-Kongress 2012 in Erfurt vorgestellt werden soll. Bergmann wörtlich: "So etwas haben noch nicht einmal die Bayern!". Darüber hinaus hob sie die außergewöhnlichen schulischen Leistungen hervor, die die Schülerinnen und Schüler im vergangenen Jahr wieder im Fach Latein erbracht hatten.

Aus dem schulischen Fachreferat des Bistums Osnabrück sprach Winfried Verburg ein Grußwort an den Latinistentag. Er ging darin näher auf das Selbstverständnis kirchlicher Schulen ein, die gerade als sogenannte "Angebotsschulen" in besonderem Maße auf die Bildungschancen junger Menschen abzielen. Als solche seien sie Schulen "um der jungen Menschen willen", die eben auch gleichzeitig das Recht auf "Transfunktionalität" verkörperten, nämlich das Recht, Bildungsinhalte zu vermitteln, die nicht unmittelbar (ökonomisch) verwertbar, nützlich seien.

Als "Anwälte des Transfunktionalen" seien deshalb auch gerade katholische Schulen in ihrer religiösen Wertebindung eng mit den Bildungsinhalten der Alten Sprachen verbunden.

Der neue Vorsitzende des Niedersächsischen Philologenverbandes, Horst Audritz betonte in seinem Grußwort, daß der Lateinunterricht einen "Mehrwert" weit über die Bedeutung ökonomischer Bilanzen hinaus darstelle. Dies zeige sich besonders am Stellenwert des Lateinischen für die Persönlichkeitsbildung junger Menschen. "Latein lebt!", so Audritz, wenn auch hauptsächlich nur am Gymnasium.

Nachdem das Schulorchester zur Überleitung zum Festvortrag einen James-Bond-Filmmusikklassiker eingespielt hatte, begann der Vortragsgast mit den Worten: "Wenn ich gewußt hätte, mit welchem Musikprogramm ich begrüßt werde, hätte ich begonnen mit: Mein Name ist Kipf - Stefan Kipf..."

Das Referat des ehemaligen DAV-Bundesvorsitzenden befaßte sich mit dem Thema „English meets Latin – Perspektiven und Probleme einer fächerübergreifenden Zusammenarbeit“. Stefan Kipf stellte hier aktuellste Forschungsergebnisse eines Berliner Projektes zur Mehrsprachigkeit im Sprachenunterricht vor. Teil dieser Ergebnisse waren unter anderem detaillierte und kritische Auswertungen von Schulbüchern aus den Fächern Englisch und Latein, die jeweils explizit mit fremdsprachlichen Bezügen arbeiten.

Gut ausgeschildert und bestens organisiert: Das Tagungsbüro!

Nicht nur für das geistige, auch für das leibliche Wohl wurde in Osnabrück gesorgt.

 

Regen Zuspruch erfuhren auch die zahlreichen Arbeitskreise.

Wulf Brendel (Riemann-Gymnasium Scharnebeck) etwa stellte das Thema „Flirt beim Gastmahl – Ovid Amores I,4 und II,5“ vor.

„Tipps und Tricks zur kursorischen Lektüre“ präsentierte Peter Kuhlmann (Göttingen).

Der diesjährige Latinistentag in Osnabrück konnte einen Besucherrekord verzeichnen. Das deutlich gestiegene Interesse an der Verbandsarbeit des NAV, gerade auch der jüngeren Kolleginnen und Kollegen zeigte sich auch daran, daß sich in diesem Jahr auch die Zahl der Verbandsmitglieder durch etliche Neuzugänge massiv der 900er-Grenze annähert, wie der NAV-Vorsitzende, Burghard Gieseler zu berichten wußte.

(Texte u. Fotos: Clemens Liedtke)