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Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, verehrte Gäste,

ich freue mich, den diesjährigen Landestag des Altphilologenverbandes hier in Celle eröffnen zu dürfen. Das Gymnasium Ernestinum ist eine Hochburg der klassischen Bildung und verteidigt vehement gegen alle Widrigkeiten den Wert des altsprachlichen Unterrichts. Am Ernestinum haben die klassischen Sprachen verlässlich ihren Platz – auch in Zukunft.

Ich danke daher dem Schulleiter, Herrn Habekost, für seine frühzeitige Einladung nach Celle, die gute Kooperation in der Vorbereitung und die Gastfreundschaft am heutigen Tage; stellvertretend für die gesamte Fachgruppe gilt mein besonderer Dank Herrn Höxtermann für die Vorbereitungen und vielen kleinen Handgriffe hier vor Ort.

Dazu gehört auch schon die feierliche Begrüßung: Vielen Dank an das Salonorchester und den Mädchenchor der Schule unter der Leitung von Frau Buttke und Herrn Stellies für die so wunderbare Einstimmung auf diesen Tag.

Und schließlich danke ich Ihnen allen für das Erscheinen zu unserem heutigen großen Landestag in Celle. Es ist wichtig, dass wir gerade an einem solchen Tag deutlich machen, dass unser Verband ein mitgliederstarker und gut aufgestellter Verband ist, der energisch für die Interessen seiner Fächer eintritt.

Unter den Gästen darf ich besonders begrüßen

Herrn Dr. Christian Stock, der in Vertretung des Präsidenten der Landesschulbehörde  zu uns sprechen wird und auch ein Grußwort aus dem Kultusministerium für uns mitgebracht hat.

Herrn Klaus Wiswe, den Landrat des Kreises Celle,

Herrn Horst Audritz, den Vorsitzenden des Philologenverbandes Niedersachsen,

Herrn Pastor Uwe Schmidt-Seffers, der die Superintendentur des ev.-luth. Kirchenkreises Celle vertritt.

Den drei Herren möchte ich herzlich dafür danken, dass sie heute zu uns gekommen sind und auch ein Grußwort an die Versammlung richten werden.

Ich freue mich, dass zahlreiche Vertreter aus der kommunalen Politik und Verwaltung unsere Veranstaltung durch ihre Anwesenheit ehren, ebenso wie der Vorsitzende des Verbandes der Eltern am Gymnasium, Herr Dr. Jeschke. Ganz herzlich begrüße ich auch die Pressevertreter.

Aufgrund einer Podiumsdiskussion mussten uns die bildungspolitischen Sprecher aller Parteien absagen, umso mehr freue ich mich, dass Herr MDL Jörg Bode, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der niedersächsischen FDP-Fraktion, den Weg zu uns gefunden hat.  

Schon jetzt möchte ich Herrn Prof. Dr. Dr. Johannes Schilling danken, der den heutigen Festvortrag halten wird.

„Ad fontes - zu den Fakten...           Der Beitrag der Reformation zur Etablierung flächendeckender wissenschaftspropädeutischer Bildung“

Wir alle sind sehr gespannt darauf zu erfahren, welche Ausprägungen der Bildungsbegriff in Folge der Reformation erfahren hat.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der Lehrer fürchtet die Schüler und schmeichelt ihnen und die Schüler missachten ihre Lehrer. Hunde und Pferde führen sich so auf wie Menschen und sogar Esel beanspruchen in ihrem Freiheitsdrang, dass man ihnen aus dem Wege gehe.

Darin gipfelt das Bild, das Platon in der Politeia von der entarteten Demokratie zeichnet und das Cicero nahezu wortwörtlich in Kapitel 67 seines ersten Buches der Schrift De re publica übernimmt. Es herrschen völlige Unordnung und Anarchie.

Ursache für diese Umwertung der altbewährten Werte ist die licentia, die Möglichkeit alles zu tun, was man will, - oder, mit Platon gesprochen, die eleutheria in ihrer Übersteigerung. Jeder genießt maximale Freiheit, jedem ist alles erlaubt, alle dürfen alles, egal ob sie qualifiziert dazu sind oder nicht.

Jeder darf Abitur machen, hätte ein Platon oder Cicero von heute mit Blick auf unser Bildungssystem wohl noch ergänzt. So ist es aktuell der politische Wille. Bildung mag zwar für viele noch ein hohes Gut darstellen, aber keines, wofür es sich lohnt, Mühe und Fleiß zu investieren. Stattdessen finden wir vielfach in der Gesellschaft die Erwartungshaltung vor, dass Bildungsabschlüsse auch ohne Anstrengungen zu erhalten sein sollen, und zwar mit möglichst guten Noten. Und auch da spielt die Bildungsadministration bereitwillig mit. Alles, was anstrengend ist, stört in diesem Konzept. Man könnte fast meinen – ganz im Sinne von Platons Überzeichnung -, übrig bliebe nur noch Spiel, Spaß, Fun. Dafür gibt es dann Noten, meist die gewünschten guten Noten! Und in diesen guten Noten meint man gute Bildung ablesen zu können. Eine wirkliche Qualifikation und die Chance, sich individuell auszeichnen zu können, fehlt. Wenn alle gut sind, ist am Ende keiner mehr gut. Das Abitur verliert seinen Wert als Qualifikationsnachweis.

In dieses Bild hinein passt es auch, die Schüler alle Fremdsprachen bis auf eine in der Sekundarstufe II abwählen zu lassen – eine solche Option sieht die neue VO-GO für die künftige Einführungsphase vor. Und das in einem Europa und einer Welt von HEUTE. Verantwortungsbewusstsein für die Schülerinnen und Schüler und ihre Zukunftschancen?  - in Niedersachsen derzeit Fehlanzeige.

Unverständlicherweise überschlagen sich vielfach die Schulleitungen an den Gymnasien in unserem Lande geradezu dabei, dem kultusministeriellen Bildungsabbau bereitwillig Gehorsam zu leisten und ein breites Fremdsprachenangebot durch die Einrichtung alternativer Wahlkurse nachhaltig aus der Oberstufe zu verbannen. Ein Armutszeugnis.

Die Sprachenlehrer stehen vielerorts im Land alleine in den Dienstversammlungen und Gesamtkonferenzen und kämpfen für den Erhalt der sprachlichen Bildungsvielfalt an ihrer Schule. Häufig sind sie Einzelkämpfer, Schüler und Eltern sehen die Chance, mit der Abwahl einer Sprache „Ballast“ abwerfen zu können. Kollegen freuen sich, auf unsere Kosten ihre Fächer in der Einführungsphase zu platzieren. Solidarität erfahren die Sprachfächer nur selten.

Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen brauche ich nicht zu sagen, was gerade unsere Sprachen leisten, wenn wir mit den Schülern originale Texte lesen können. Wir wissen, warum wir täglich in die Schule gehen. Dass unsere Arbeit auch von Schülern geschätzt wird, möchte ich Ihnen deutlich machen am Beispiel eines Briefes, den ein Schüler in der Rückschau auf seinen Griechischunterricht verfasste:

Mir hat der Griechischunterricht ein ganz neues Sprachgefühl gegeben. Durch das Durchdringen der zu übersetzenden Sätze, habe ich ein anderes Gefühl für Sprache entwickelt. Dies hat mir auch im Deutschunterricht sehr geholfen, wo die Kunst der Rhetorik nicht so sehr behandelt wird.

Außerdem sind die Themen, die man behandelt, einfach interessant. Die griechische Mythologie bringt einem der Unterricht sehr nahe und im Fach Griechisch verbindet sich Übersetzen und das Erlernen einer Sprache mit vielem anderen, zum Beispiel mit Philosophie oder antiker Geschichte, was im Geschichtsunterricht eindeutig zu kurz kommt. Es werden Themen behandelt, die ihre Relevanz nie verlieren, Themen wie Hochmut, Zügellosigkeit und anderes. Aber nicht nur diese moralischen Themen, sondern eben auch geschichtliche: Woher kommen unsere Staatformen, wo liegen die Unterschiede zur athenischen Demokratie? Welchen Gefahren ist eine demokratische Verfassung ausgesetzt? Was gab es für unterschiedliche militärische Taktiken? Woher kommt der Grundstein unseres heutigen geisteswissenschaftlichen Standpunktes? Wo liegt der Anfang der Rhetorik? Dies sind nur einige Fragen, die mir gerade in den Kopf kommen. Als Fazit möchte ich sagen, dass der Griechischunterricht nicht so ein spezifischer Unterricht wie Physik oder Biologie ist, sondern Griechisch ist ein Fach, das allgemeinbildend ist und viele Geisteswissenschaften beinhaltet.

Diese Gedanken umreißen aus Schülerperspektive die zentralen Aspekte unseres Bildungsanspruches. Und das Gleiche könnten bildungsinteressierte Schülerinnen und Schüler auch über Latein  sagen. Ich bin mir daher sicher, dass ich auch im Namen solcher Schülerinnen und Schüler spreche, wenn ich unsere Bildungspolitiker eindringlich auffordere, die Abwertung sprachlicher Bildung unverzüglich zurückzunehmen und die Einführungsphase weiterhin verbindlich mit mindestens zwei Pflichtfremdsprachen zu gestalten.

Sprachen stellen die Ausschärfung des gymnasialen Bildungsangebots dar. In der Mehrsprachigkeit liegt die Kompetenz, die für ein geeintes Europa und ein verantwortungsbewusstes und erfolgreiches Handeln erforderlich ist. Wir vertreten selbstbewusst unseren Beitrag zum Bildungsangebot und zu der Kompetenzförderung der Schülerinnen und Schüler in Niedersachsen. In diesem Sinne bietet der Landestag heute ein breites Angebot an fachlichen Themen, innovative, aber auch bewährte Ansätze zum altsprachlichen Unterricht.

Für die Zusammenstellung dieses bunten Straußes an Nachmittagsveranstaltungen danke ich besonders meiner Kollegin Frau Sommer, aber natürlich auch allen Referentinnen und Referenten, die sich bereit erklärt haben, unseren Landestag durch ihre eigenen Erfahrungen zu bereichern. Für den organisatorischen Ablauf im Veranstaltungsbüro danke ich unseren Kollegen Georg Aßmus und Jens Pühn.

Gestatten Sie mir noch zwei  Hinweise: Bei den weiteren Veranstaltungen haben wir darauf verzichtet, mit Anmeldelisten zu arbeiten. Wir vertrauen auf Sie: wenn Stühle fehlen, versuchen Sie im Nachbarraum noch einen zu finden; wenn der Raum übervoll ist, dann haben Sie hoffentlich noch einen Zweit- oder Drittwusch für eine Veranstaltungsrunde parat. Bitte beachten Sie die aktuelle Übersicht über die Themen. Es hat kurzfristig wenige Änderungen gegeben.

Die Mensa der Schule hat heute nur für Sie geöffnet. Für 8 Euro erhalten Sie im Veranstaltungsbüro eine Essensmarke, mit der Sie sich an dem Buffet bedienen können. Kaffee und Kuchen stehen für Sie in der Cafeteria bereit.

Mit diesem Ausblick wünsche ich Ihnen einen interessanten Tag heute hier in Celle und darf Herrn Habekost, den Gastgeber, bitten, Sie hier im Gymnasium Ernestinum willkommen zu heißen.

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