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DES DEUTSCHEN ALTPHILOLOGENVERBANDES
Landesverband Niedersachsen

mit den Landesverbänden Sachsen-Anhalt und Bremen
im Deutschen Altphilologenverband (DAV)
Jahrgang LX Heft 1, 2010

 
   
 

 
 

Ein großer Tag für die Alten Sprachen in Niedersachsen-Rückblick auf den Latinistentag 2009

In der Geschichte des Niedersächsischen Altphilologenverbandes hat wohl kaum eine andere Landestagung so viel Beachtung und Zuspruch erfahren wie der Latinistentag 2009, der am 18. September 2009 am Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium in Hannover stattgefunden hat. Außergewöhnlich war nicht nur die hohe Zahl von über 300 Teilnehmern, sondern auch die Anwesenheit mehrerer prominenter Vertreter des Kultusministeriums und der Landesschulbehörde. So konnte der Vorsitzende des NAV, Burghard Gieseler, etwa Frau Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann, Herrn Ministerialdirigenten Jan ter Horst und den Präsidenten der Landesschulbehörde, Herrn Ulrich Dempwolf, in der Aula des KWR begrüßen. Ein weiteres Novum war die Anwesenheit zahlreicher Pressevertreter, die überregional von der Veranstaltung berichteten.

In seiner Eröffnungsansprache forderte Burghard Gieseler „eine Abkehr von der bloßen Verzwecklichung der Bildung“. „Ausbildung zielt auf das Berufsleben, Bildung auf den ganzen Menschen“, sagte der NAV-Vorsitzende. Unsere demokratische Gesellschaftsordnung brauche nichts so sehr wie die selbstständig denkende und verantwortungsbewusste Persönlichkeit des Staatsbürgers. Deshalb müsse bei einer neu vorzunehmenden Hierarchisierung der Bildungsziele die Persönlichkeitsbildung den obersten Platz einnehmen. Sorgen bereiteten dem NAV, so Gieseler, die anstehende Neufassung der PVO-Lehr II, deren Entwürfe eine Reduzierung der fachdidaktischen Ausbildung und damit einen Qualitätsverlust befürchten ließen, und der Fortbestand der dritten Fremdsprache, die nach der Verkürzung der Schulzeit auf zwölf Jahre nicht mehr so stark gewählt werde wie vorher.

In ihrem Grußwort dankte Frau Heister-Neumann den Lateinlehrern für ihr Engagement „trotz nicht leichter Rahmenbedingungen“ und insbesondere dem NAV für die konstruktive Zusammenarbeit bei fach- und schulpolitischen Problemen in der Vergangenheit. Sie hob die Bedeutung des Lateinunterrichts für die Entwicklung von Sprachkompetenz hervor und würdigte in diesem Zusammenhang das jüngst in Kraft getretene Kerncurriculum Latein für die Jahrgänge 5-10 und das noch im Entstehen befindliche Lateinportfolio II. Ein Problem stelle nach wie vor, so die Kultusministerin, die Unterrichtsversorgung im Fach Latein dar: „Von den 52 Lehrerstellen, die für das Schuljahr 2009/10 ausgeschrieben worden waren, konnten nur 29 besetzt werden.“ Hocherfreut nahmen die Zuhörer die Zusage der Ministerin zur Kenntnis, dass ab dem Schuljahr 2011/12 die Klassen schrittweise reduziert und die Schulleitungen durch zusätzliche Verwaltungskräfte entlastet werden sollen.

Weitere Grußworte wurden vom Vorsitzenden des Niedersächsischen Philologenverbandes, Herrn Guillermo Spreckels, und der Vorsitzenden des Verbandes der Elternräte der Gymnasien Niedersachsens, Frau Dr. Hiltrud Sürmann, an die Anwesenden gerichtet. Beide stellten einhellig die Unverzichtbarkeit der Alten Sprachen im Fächerkanon des Gymnasiums heraus.
Den Hauptvortrag des Latinistentages 2009 hielt Frau Prof. Dr. Ursula Gärtner zum Thema ‚Cerebrum non habet! – Phaedrus und die klassische Bildung’. An einer Auswahl von überwiegend weniger bekannten Fabeln zeigte die Lehrstuhlinhaberin der Universität Potsdam auf, dass Phaedrus sich in weit höherem Maße als zumeist bekannt mit den Klassikern der Literatur, vor allem auch der griechischen auseinandergesetzt habe. Vor diesem Hintergrund müsse die oft eher gering geschätzte Qualität seines Werkes neu bewertet werden.

Umrahmt wurde das Vormittagsprogramm des Latinistentages durch Musikbeiträge des Orchesters des Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasiums und von Frau Katharina Kimm, die mit Harfe und Gesang Vertonungen antiker Lyrik präsentierte. Beide Darbietungen begeisterten durch ihre hervorragende Qualität die Zuhörer.

Am Nachmittag hatten die Besucher des Latinistentags die Gelegenheit, sich in Arbeitskreisen fortzubilden. Diese wurden Kolleginnen und Kollegen – vom Hochschulprofessor bis hin zur Studienreferendarin – zu ganz unterschiedlichen Themen angeboten. Die Bandbreite der Themen verdeutlichte, „dass wir Bewahrenswertes bewahren wollen und gleichzeitig Freude daran haben, Neues auszuprobieren und die Entwicklung voranzutreiben“, so Burghard Gieseler in seiner Eröffnungsrede.

Insgesamt war der Latinistentag 2009 ein großer Tag für die Alten Sprachen in Niedersachsen. Wesentlich dazu beigetragen hat das Ortskomitee des Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasiums, das durch eine perfekte Organisation für einen reibungslosen Ablauf gesorgt hat. Allen voran sei hier den Herren Heiner Koller, Stefan Gieseke und Niels Junge gedankt. Der Dank des NAV-Vorstands richtet sich nicht zuletzt aber auch an alle, die einen Beitrag zum Programm dieses Tages geleistet haben.

Dr. Christian Stock, Hildesheim