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Jahrgang LX Heft 1, 2010

 
   
 

 
 

Die Namen Arminius und Hermann

In Kalkriese und jüngst in Til Bendikowskis Buch “Der Tag an dem Deutschland entstand“12 wird der Eindruck erweckt, als wenn die Namen Arminius und Hermann nichts miteinander zu tun haben und die Römer den Germanen, der in ihren Diensten stand, Arminius nannten und unabhängig davon die Humanisten den deutschen Namen Hermann erfunden hätten. 
Das ist schon deswegen nicht richtig, weil der Name Hermann schon seit dem Mittelalter (im 10. Jhdt. Hermann von Sachsen) belegt ist und laut dem Dudenlexikon der Vor- und Familiennamen  aus dem Althochdeutschen stammt: Heri+man = Kriegsschar+man. Hermann scheint nicht nur althochdeutsch, sondern auch germanisch zu sein, wie Tacitus belegt.

Tacitus hat Man=Mensch13 als germanisch belegt: “Germania“ c.2: Manno tris filios assignant, e quorum nominibus proximi oceano Ingaevones, medii Herminones, ceteri Istaevones vocentur:  Mannus schreiben sie drei Söhne zu, nach deren Namen die dem Ozean nächsten Ingaevonen, die mittleren Hermionen, die übrigen Istaevonen heißen.  Ich glaube, dass der Name Hermann gute Argumente hat14 , da im Germanischen auch die Wortwurzel –irmin/ermin gut belegt ist in  „(H)erminonen15 und „Irminsul16 .

Man muss sich doch zuerst einmal fragen, wie die Römer zu dem Namen Arminius kamen. Da scheinen mir zwei Möglichkeiten zu bestehen: Die Römer haben den Namen in Anlehnung an den germanischen gegeben oder sie haben einen neuen Namen erfunden.

Wenn der Name von den Römern nach ihrer Sprache neu erfunden wäre, dann kann man in Arminius den Begriff „arma“ vermuten. Das würde dann soviel wie „Waffenmann“ bedeuten, so wie der Bruder des Arminius nach seinen Haaren Flavus = der Blonde laut Tacitus hieß oder der Sohn des Drusus Iulius Caesar Germanicus = der Germanische17 genannt wurde.

Wenn man davon ausgeht, dass Hermann oder so ähnlich der germanische Name war, ist ebenso denkbar, dass die Römer die germanische  Bedeutung entweder dem Sinn der germanischen Sprache nach übersetzt oder dem Klang nach übernommen haben.
Im ersten Fall hätten sie  Hermann nach heri+mann  frei übersetzt mit „Waffenmann“, im zweiten Fall hätten sie, da die Römer das h nicht sprechen, ermann nach ihrer Sprache mit der Adjektivendung -ius versehen, so dass Ermannius daraus geworden wäre. Die Abänderung des a zu i in erman/ermin folgt gängiger Lautverschiebung in ihrer Sprache z.b. agere wird zu adigere im zusammengesetzten Verb, so dass aus (H)ermanius  (H)erminius wird.

Noch heute wird in der Umgangssprache das unbetonte –er wie a gesprochen z.b. aber = aba. Man kann also davon ausgehen, dass geschriebenes –er wie a gehört und auch gesprochen werden konnte, so dass aus dem gehörten germanischen Herman(n) über (H)erman-ius und (H)erminius die römische Form Arminius wurde.    

Nicht ausgeschlossen ist, dass der Sinn den Klang unterstützt hat und durch die Verwandlung von gehörtem germanischem Herman(n) zu Arminius eine sinnvolle römischsprachliche Neuschöpfung entstanden ist. Es spricht also vieles dafür, dass Arminius von Herman(n) richtig hergeleitet, also nicht frei erfunden ist.

Eine andere Deutung leitet den Namen Arminius von  armenium18 her, das eine hellblaue Farbe bezeichnet (armenium pigmentum19 : Bergblau). Das würde ihn als Mann mit hellblauen Augen charakterisieren. Dem steht allerdings die Überlieferung des abweichenden  e entgegen: arm-e-nius und das Adjektiv sind nicht überliefert.

Der Bayer Johannes Turmayer20 , genannt Aventinus, meinte in seinem Buch „Die uralten Teutschen“ S.9, der Held heiße Erman, auf  hochdeutsch „der zu eren ermant“. Nach ihm soll Luther  daraus in seinem Namensbüchlein  Hermann gemacht haben. Wenn dem so ist, scheint das eher eine gewollte Interpretation als eine Herleitung zu sein.

Interessant ist die Meinung, dass zur Zeit des Arminius die Herleitung von „Heer-mann“, also Kriegsmann, Hari-man21 gelautet habe.

Es scheint, dass die Herleitung von Germanisch über Althochdeutsch zu Neuhochdeutsch Hermann eine Kontinuität hat. Auch der gotische Name Erman-a-rich (Gotenkönig des 4.Jhdt.) gehört in dieses Umfeld.

Klaus Nagel, Quakenbrück


12 Bertelsmann 2008,  S.136 „die Reformatoren gaben ihm jetzt seinen neuen, deutschen Namen: Hermann wurde erfunden.“

13 Tacitus Germania  rororo 1967 zweisprachig  ed. Josef Lindauer  Erläuterungen S.78

14 der Name Hermann ist angeblich von dem Humanisten Johannes Turmayr erfunden worden .in: Hans Ferdinand Döbler: Die Germanen Bertelsmann 1975  Gondrom 1992   S.156

15 in: wbg : Die Germanen - ein Handbuch  Darmstadt   o. j.    Bd.1   5.Aufl.  s.50 und Anm.31

16 ebenda: S.383

17 Auf jeden Fall ein cognomen;  vgl. den Katalog:  2000 Jahre Varusschlacht „Mythos“  S.104 und Anm.6.

18 „Spiegel“ 51/2008 s.128

19 Anm. der Redaktion: Plin. Nat. hist. 35, 47 (Bei der Beschreibung der Farbpigmente „Armenischblau“)

20 H. Döbler: die Germanen;    Bertelsmann …. S.74,S.156

21 H.Döbler: die Germanen  S.74